Praxis-Anmerkungen des Autors zum Thema (IT )- Notfallplanung, Pandemie (EHEC & Co.):
Diese aktuelle Meldung bzw. die Aufforderung des DIHK sich besser auf Pandemien vorzubereiten, untermauert die im Einleitungsbeitrag zum Thema Service-Continuity gemachten Aussagen sehr deutlich.
Es zeigt, daß in der allgemeinen Unternehmenslandschaft das Bewußtsein für den Eintritt von Eventualitäten, also den Notfall nicht sehr ausgeprägt ist. Man kann diese Haltung von vielen Unternehmen eigentlich nur als fahrlässig einstufen. Im Zweifel kann der Eintritt von massiven Krankheitsfällen auch in mittleren und kleinen Unternehmen zu nachhaltigen ggf. auch existenzgefährdenden Folgen führen. Einstellungen wie "...der Impfstoff ist doch schon da...", oder "...die Quarantäne dauert zwei Wochen, daß können wir kompensieren.." vernebeln den Blick für die Realitäten und die ggf. nachhaltigen Folgen für das Business.
In vielen Unternehmen (Dienstleistung wie auch Produktion) ist die Personaldecke, und insbesondere die der Fachkräfte/Key-Player, sowieso dünn besät. Eine Folge von knappen Budgets, Rationalisierungen, oder dem allgemeinen Kostendruck. Dies gilt im besonderen Maaß auch der IT in sehr vielen (und auch großen) Unternehmen! Die IT stützt die Geschäftsprozesse des Business und ist damit ein wesentlicher und elementarer Bestandteil für das Funktionieren der fachlichen Geschäftsprozesse.
In den meisten IT - Bereichen sind die IT-Fachleute bzw. Key-Player, die wesentliche IT-Anwendungen, IT-Systeme oder die IT-Infrastruktur betreuen, eher rar gesät. Hier gibt es oftmals schon Probleme, wenn Mitarbeiter x mit einem quasi-Kopfmonopol längerfristig ausfallen sollte.
Oft gibt es zwar Vertretungsregelungen, doch diese helfen dann herzlich wenig weiter, wenn:
a.) Die Vertretung nur zu 50% das Fachwissen und -könnens des Kollegen besitzt
b.) Im Vertretungsfall die eigenen Anwendungen oder Systeme nur noch unzureichend betreut werden können
c.) Auch die Vertretung längerfristig ausfällt (im Falle der Schweinegrippe schon wahrscheinlich)
Tritt jetzt, z.B. aufgrund einer Pandemie oder im aktuellen Fall der Schweinegrippe, ein vermehrter Personalausfall in der IT eines Unternehmens ein, so kann dies bedeuten, daß kritische IT-Anwendungen oder IT-Systeme oder z.B. auch IT-Projekte "betreuungslos" sind. Im Falle von IT-Störungen oder auch bei zeitkritischen IT-Projekten kann dies bedeuten, daß diese nicht bzw. nicht in einem angemessenen Zeitrahmen gemanaged werden können und so im Zweifel die negativen Folgen (z.B. auf kritische Geschäftsprozesse) voll durchschlagen. Dies kann sehr nachhaltige Folgen haben. Ein Engpass in der technischen Output-Betreuung kann dann schon einmal dafür sorgen, daß mehrere tausend Rechnungen oder Mahnungen nicht fristgerecht versandt werden und somit Zinseinnahme- oder sonstige resultierende Verluste in erheblichem Umfang eintreten. Krankheitsfälle in einem zeitkritischen IT-Projekt können dafür sorgen, daß kritische Einführungen nicht realisiert werden können.
Und zu guter letzt führt im Zweifel eine solche Konstellation auch schon einmal dazu, daß bei Eintritt eines zusätzlichen technischen Notfalles die Personen fehlen, die dazu in der Lage und vorgesehen sind, diesen IT-Notfall zu meistern (z.B. Ausfall Großrechner oder RZ, Schwenk der Systeme etc.). Dies sind nur ansatzweise Betrachtung, die in weiteren Beiträgen ausführlicher behandelt werden.
Abschließend gilt zu sagen, daß es vielen Unternehmen gar nicht bewußt ist, was wirklich in einem Prozess oder auch Projekt passiert, wenn der Mitarbeiter x oder y jetzt längerfristig ausfällt und ggf. auch die Vertretung. Gleiches gilt auch für den Fall von externen Partnern oder Leistungszulieferern. In diesen Fällen ist ein Unternehmen ggf. auf die Zulieferleistungen in existenziellem Maaße von externen Partnern (z.B. Sourcingnehmern) angewiesen. Da nützt das beste (IT-)Notfallkonzept nichts, wenn nicht sichergestellt ist, dass z.B. auch die relevanten Sourcing-Partner entsprechende risikoorientierte Vorsorge getroffen haben (der BaFin unterliegende Unternehmen müssen dies zwingend prüfen!).
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